Hier soll ja eine Vereinigung der Gegensätze stattfinden: einerseits die schöne, ziemlich vergangene Epoche der Romantik und andererseits das moderne, ziemlich neue und unromantische Medium Blog. Was genau ist jetzt aber ein Blog oder Weblog? Die ersten Blogs entstanden Mitte der 90er Jahre, den Begriff Blog gibt es sogar erst seit 1999, noch keine 10 Jahre lang.

Blogs sind einfach Websites, die einzelne Beiträge (fachsprachlich „Posts“) umgekehrt chronologisch (sprich: der neueste jeweils ganz oben usw.) aufführen. Deshalb kann man auch vom „Tagebuchcharakter“ von Blogs sprechen, weil die Posts jeweils mit Datum versehen sind. Dagegen ist dies keine inhaltliche Festlegung, Blogs sind einfach Medien, die wie andere Medien auch in der untschiedlichsten Weise genutzt werden können. Natürlich kann man über sein Mittagessen oder seine Haustiere bloggen (genannt „Katzencontent“), es ist aber auch jedes andere denkbare Thema denkbar. Und natürlich gibt es neben den „privaten“ Tagebuchblogs auch politische Blogs, wissenschaftliche Blogs, Literaturblogs und vieles mehr.

Neben der charakteristischen Anordnung der Blogposts ist auch die Möglichkeit Kommentare abzugeben für Blogs kennzeichnend. Dies steht normalerweise jedem offen und so entsteht ein Diskurs, Kommunikation über die beschriebenen Themen. Darüberhinaus treten Blogger über gegenseitige Links und Trackbacks miteinander in Verbindung, so dass eine Art virtueller Raum, ein Netzwerk entsteht, das man „Blogosphäre“ nennt. Zusammen mit Wikipedia, Communities und Foren gehören Blogs zum „Web 2.0“, auch bekannt als „Mitmach-Web“. Man versteht sich als Weiterentwicklung des alten Web 1.0 mit seinen statischen Websites, auf denen sich kaum je etwas verändert und der Leser bzw. Nutzer keinerlei Möglichkeit hat, sich irgendwie selbst bemerkbar zu machen, zu äußern, mitzudiskutieren, mitzudenken, teilzunehmen.

Über das Genus von Blog streitet man sich übrigens gerne, ob es nun „der“ oder „das“ Blog heißt, ist weitgehend unklar, der Gebrauch von „das“ überwiegt wohl leicht und wird von Sprachpuristen auch bevorzugt. Die Einträge von Blogs kann man bei Gefallen per RSS-Feed abonnieren und dann der Einfachkeit halber in einem Feed-Reader lesen. So kann man die Posts in vielen gewünschten Blogs verfolgen, ohne jeweils extra auf die Websites selbst zu gehen. Interessanter Bestandteil der meisten Blogs ist auch die Linksammlung, die sogenannte Blogroll. Hier verlinkt der Blogger die Blogs, die er selbst liest bzw. seinen Lesern empfehlen möchte. Dies führt die Leser oft zu anderen Blogs, die einem ähnlichen Interessensbereich entsprechen.

Der Erfolg eines Blogs wird gemeinhin (auch in Ermangelung einer besseren Methode) über dessen Verlinkung gemessen: je öfter ein Blog von anderen Blogs verlinkt wird, desto sichtbarer und relevanter scheint er auch zu sein. Aufgeführt werden diese erfolgreichsten Blogs in den „Deutschen Blogcharts“, schon lange angeführt von Blogs wie (dem inzwischen bei eBay versteigertenBasicthinking, Spreeblick, Bildblog, Netzpolitik oder Stefan Niggemeier. Trotzdem geht es beim Bloggen nicht vorwiegend um den Erfolg, sondern um freie Meinungsäußerung, um Unabhängigkeit und vor allem auch um den Austausch in bestimmten Nischen, wie z.B. auch der Literatur. Und ein Schriftsteller wie Alban Nikolai Herbst, der selbst ein Blog betreibt, bezeichnet Weblogs sogar als Dichtung.

Nun denn, lasst uns dichten, lasst uns über Dichtung schreiben und etwas Neues erschaffen, einen Zwitter namens Romantik 2.0!