Anmerkung der Redaktion: dies ist das erste Ergebnis zu dieser Aufgabe, Autor ist natürlich August Wilhelm Schlegel selbst. Viel Vergnügen bei der Lektüre und danke an Herrn Schlegel!

schleglaHerr August Wilhelm Schlegel, geben Sie eigentlich gerne Interviews?

– Früher mochte ich das wirklich sehr gerne. Ich, August Wilhelm Schlegel finde es inzwischen sehr unangenehm. Es ist doch wirklich so, dass man als Mitbegründer der deutschen Romantik schon so viel von seiner Seele preisgibt in den Werken, die man verfasst. Gibt es eigentlich noch Gründe, wieso ich noch ausgerechnet darüber reden soll? Das Wichtigste, was ich vermitteln möchte, steht in meinen Werken. Gewiß, kriechen Sie in die Welt meiner Literatur, entspannen Sie sich und nehmen Sie das auf, was sie lesen, denn ‚,der Dichter (…) ist (…) andern Sterblichen ein begünstigter Liebling der Natur, ein Vertrauter und Bote der Götter, deren Offenbarungen er jenen überbringt.’’

 Für wen schreiben Sie?

– Richtiges Zuhören ist harte Arbeit und enorm wichtig. Meine Absicht ist Ihnen darzuthun, dass die Unwissenheit keine Schande ist. Überdenken Sie jegliche Fragen, bevor Sie mir diese erneut stellen.

Ihnen wird nachgesagt, dass mit zunehmendem Alter Ihre Eitelkeit wuchs und Sie immer öfter Ziel des Spottes wurden?

– Mir wird viel nachgesagt. Zielscheibe des  Spottes zu sein ist für mich selbstverständlich und relativ. Ich, der Gründer der modernen Linguistik, halte nichts über die Meinung der Anderen. Sie sind, gewiß für mich widerlegt.

 Und was sagen Sie über die 1827 in Berlin gehaltenen Vorlesungen über die Theorie und Geschichte der bildenden Künste. Sie waren ein Misserfolg?!

– Wie nun? Wofür soll ich mich im Gedränge zwischen dem Erfolg und Misserfolg, diesen zwey entgegengesetzten Wörtern entscheiden? Schlecht kann ich beyde zugleich gelten lassen und noch das eine oder andere verwerfen. Sie müssen verstehen, dass meine Aufgabe darin besteht, Gutes und Nützliches zu schaffen. Die Frucht meiner literarischen Leidenschaft, muss nicht jedem gefallen.

Also sehen sie ihre Literatur als Grundnahrungsmittel?

Welch ein großes Wunder! Sie versuchen ein schönes Wort dafür zu finden? Die  Begeisterung für die Literatur hab’ ich in meinen jungen Jahren entdeckt. Nach meinem Theologie- und Philosophiestudium in Göttingen war ich als Hauslehrer in Amsterdam tätig. Ich denke, dass meine Übersetzungen ein großes Lob verdienen. Ich machte mich um die zahlreiche italienische, spanische und portugiesische Literatur verdient. Meine Hauptleistung ist aber die Übersetzung von 17 der Stücke Shakespeares. Ich will die Literatur für jeden verständlich, zugänglich machen. Sie soll von weisen, intellektuellen Menschen gelesen und als ’Grundnahrungsmittel’ verzerrt werden. (Er schmunzelt.)

 Gibt es bestimmte Quellen für Ihre Inspiration?

– ,,Das nächste Mahl will ich dieß Räthsel zu lösen suchen.’’ (Er überlegt.) Obwohl, es ist doch vielmehr die göttliche Inspiration, die mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin.

 Sehr geehrter Herr Schlegel, vielen Dank für das nette Interview.

– Wahrlich! O du Sohn der bodenlosen Dummheit. Meine Geduld muss belohnt werden.

schleglaQuellen:

WikipediaGutenbergHoren 1795/96