Anmerkung der Redaktion: dies ist das dritte Ergebnis zu dieser Aufgabe, Autor ist natürlich Dorothea Schlegel selbst. Viel Vergnügen bei der Lektüre und danke an Frau Schlegel!

Hallo und herzlich willkommen zu unserem Epochen-Talk. Ich bin Clara de la Mure und heute ist unser TOP-Thema die Romantik!!!!! 

Begrüßt mit mir zusammen unseren heutigen Gast aus dieser Zeit Dorothea Schlegel – (oder soll ich lieber Brendel sagen?? :-) )                    

Herzlich Willkommen! (Applaus!)

dorothea_schlegel1Ja, Grüß Gott Madame de la Mure, hallo liebes Puplikum. Wirklich schön, dass sich so viele Menschen für diese wunderbare Epoche interessieren.

Sie sind heute hier, um uns etwas über sich selbst in dieser Zeit zu erzählen. Beginnen wir doch einfach chronologisch von vorne.

 Ja gerne. Also mein Mädchenname ist eigentlich Brendel Mendelsohn, doch schon mit 19 Jahren hat mich mein Vater Moses mit Simon Veit verheiratet. Ich habe mit ihm zusammen 4 Kinder bekommen, wovon aber leider 2 verstarben. Doch umso glücklicher bin ich heute, dass mir Gott zwei so wundervolle Wesen geschenkt hat.

 Doch wie sind Sie zu Ihrem jetzigen Namen gekommen?

 Ich bin sehr oft bei meiner Freundin Henriette Herz gewesen und dort in ihrem Salon habe ich Friedrich Schlegel und auch seinen Bruder August Wilhelm kennen gelernt. Ich habe mich sofort in Friedl verliebt und auch meine Freundin hat gemerkt, dass wir Zwei für einander geschaffen sind und hat auch nicht länger mit anschauen wollen, wie ich mich in mein Verderben mit Simon stürze. In dieser Zeit habe ich übrigens auch meinen Namen auf Dorothea geändert. Und mit der Unterstützung meiner Freundin habe ich mich vor dem Rabbinatsgericht scheiden lassen. Ich war ja anfangs Jüdin.

 Einer unserer Zuschauer fragt, ob das damals denn überhaupt erlaubt war.

 Ja es war erlaubt, doch gern gesehen war es nicht. Ich durfte mich auch nur scheiden lassen unter dem Versprechen, dass ich Jüdin bleibe und nie wieder heirate. Doch so ganz konnte ich mich einfach nicht dran halten.

 Was geschah denn nun nach ihrer Scheidung?

 Ich ging mit Friedrich, meinem Schwager und seiner Frau nach Jena, um dort mit meinen Freunden und Kollegen Novalis, Tieck, um nur einige zu nennen, eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft der Romantik zu gründen.

Um die Jahrhundertwende, also 1804 konvertierte ich zum Protestantismus, damit ich endlich meinen geliebten Friedl heiraten konnte. Vier Jahre später bin ich mit meinem Mann zum katholischen Glauben übergetreten, da wir beide der Meinung waren, dass dies der richtige Glaube sei und so wurden auch meine Jungs katholisch getauft. Trotz der eigenen Entscheidung meines Mannes war ich also die Böse, die den armen Mann vom „richtigen“ Glauben abgebracht hat. Seine Familie hat mir das ewig nachgesagt.

 Das ist echt für die Zeit ein ganz schönes Wagnis gewesen. Uns ist weiterhin auch noch zu Ohren gekommen, dass Sie in einen Skandal verwickelt waren. Stimmt das?

 Ja, das ist richtig. Ach mein Mann hat einen Roman verfasst, der unser Zusammenleben ein wenig drastisch wohl widerspiegelt. Eigentlich ist es für mich kein Skandal, nur eher seltsam, wenn man sein Leben noch mal in einem Roman wieder findet. Aber ich musste mir viel als Künstlerin gefallen lassen.

 Was war das denn?

 Ihnen ist sicher aufgefallen, dass nur mein Mann Friedrich Werke herausgegeben hat. Das liegt daran, dass meine Werke nicht von mir herausgegeben wurden, sondern unter dem Namen meines Mannes. Z.B. mein liebster Roman „Florentin“. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie demütigend das ist, aber in der Zeit und als Frau musste ich mich daran gewöhnen. Den genauen Grund habe ich nie richtig erfahren, darüber wurde immer das Tuch des Schweigens gedeckt.

 Das ist ja fürchterlich für Sie gewesen. Aber noch schnell zum Schluss eine ziemlich indiskrete Frage. Wie haben Sie sich über Wasser halten können?

 Wir waren Künstler. Ich musste damals noch meinen Mann und mich finanziell absichern, indem ich aus dem Französischen Werke übersetzt habe. Leider ist dieser Job als Schriftsteller eine brotlose Kunst. Doch es war unser beider Herzenswunsch und für mich war es damals schon in Ordnung. Doch jetzt, wo Friedrich tot ist, Gott hab ihn selig, habe ich aufgehört mit der Künstlerei. Ich will meinen Lebensabend bei meinem Sohn in Frankfurt sorgenfrei genießen.

 JA das haben Sie sich wirklich verdient! Ach und zuletzt noch unser traditionelles Motto, das die Zuschauer noch auf den Weg mitgeschickt bekommen, Frau Schlegel?

 Natürlich, mein Motto lautet: „Man muss alle Menschen ein ganz klein wenig besser behandeln, als sie es verdienen; so entwaffnet man sie am leichtesten.“

 Vielen Dank liebe Dorothea. Schön, dass sie uns für heute einen Blick in Ihr Leben in dieser starken Epoche. (Applaus!)

Und gleich hier bei uns: Ist Romantik romantisch???

Bleiben Sie dran, es lohnt sich sicherlich.

Bis gleich, eure Clara de la Mure

 

Quellen: wikipedia, wortblume, panwitz