Anmerkung der Redaktion: dies ist das sechste Ergebnis zu dieser Aufgabe, Autor ist natürlich Ludwig Uhland selbst. Er hat dafür die Tagebuchform gewählt. Viel Vergnügen bei der Lektüre und danke an Herrn Uhland!

26. April 1862

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Mein 75.Geburtstag war und ist einer der schönsten die ich je hatte. Meine Frau Emilie hat mir eine rührende und mit vielen Erinnerungen verbundene Geschichte über mich und mein Leben geschenkt.

Vorallem meine Erinnerungen an die Zeit vor unserer Zweisamkeit waren ein wunderschöner Rückblick und zeigte mir wie viel ich in meinem Leben erreicht hatte. Mein Philologie und Rechtswissenschafts Studium und auch meine Studentendasein fanden in dieser Geschichte ihren Platz. Die größte Überraschung jedoch war ihr Vortrag von Gedichten von meinem leider verstorbenen Freund Justinus Kerner und mir aus unserer Studentenzeit. Auch meine Zeit als Doktor der Rechtswissenschaft im Justizministerium in Stuttgart ist mir stets in guter Erinnerung geblieben. Meine späteren Erfahrungen als Rechtsanwalt und im Landtag haben mir geholfen der Mensch zu werden, welcher ich heute bin.

So sehr mich auch mein Leben bis zu diesem Zeitpunkt geprägt hat. So war der wunderbarste Tag in meinem Leben, der als ich Emilie 1820 heiratete. Ich werde nie vergessen, dass sie mir meine unabhängige Arbeit als Schriftsteller und Politiker ermöglicht. Sie unterstützt mich in jeder Hinsicht auch bei all meinen wissenschaftlichen Tätigkeiten und auf meinen vielen Reisen.

So wie mich die Poesie schon in der Jugend berührte, so spüre ich sie auch heute noch in meinem Herzen. Meine damalige Anstellung als Professor der deutschen Sprache und Literatur in Tübingen, meinem geliebten Heimatsort, versetzte mich in meine eigene Jugend zurück.

Ich glaube jedoch das meine Frau in der Geschichte recht hatte, ich wollte immer schon was bewirken und das war wahrscheinlich auch der Grund warum ich immer wieder dem Lantag beitrat und schließlich auch  Vertreter der Deutschen Nationalversammlung wurde. Einer meiner größten Erfolge war wohl auch die Verleihung der Ehrendoktorwürde an mich. Doch das unterrichten als Doktor an der Universität war für mich zuende. Ich erinner mich jedoch gerne an diese Zeit und bin meiner Frau zutiefst dankbar.

 Am meisten vermisse ich heute an meinem 75.Geburtstag meinen jahrelangen Freund Justinus Kerner, unsere gemeinsame Zeit gehört wohl zu den kreativsten meines Lebens. Möge er in Frieden ruhen. 

 uhland 

Quellen: gedichteportal, gutenberg, boorberg