Nach der Bearbeitung der Motive der Romantik (die ja von den eigenen Assoziationen schon beträchtlich abwichen), haben wir uns gleich mal auf diese überraschende „dunkle Seite“ der Romantik gestürzt. Zu Ludwig Tiecks Gedicht „Melancholie“ haben wir am 23.01.09 eine etwas ausführlichere kreative Umsetzung in 6 Gruppen gemacht. Es gab dann am 28.01.09 eine Präsentation mit szenischer Lesung, einer Umsetzung in Bilder, einer Erzählung, wie das Leben des lyrischen Ichs weitergeht, einem Tagebucheintrag des lyrischen Ichs, Fernsehnachrichten zum Selbstmord des lyrischen Ichs und einer Todesanzeige. Weitere Informationen zur Melancholie finden Sie bei wikipedia. Hier aber erstmal das Gedicht, anbei die berühmte Darstellung der Melancholie von Albrecht Dürer:

 

Melancholie

Schwarz war die Nacht und dunkle Sterne branntenduerer
Durch Wolkenschleier matt und bleich,
Die Flur durchstrich das Geisterreich,
Als feindlich sich die Parzen abwärts wandten
Und zornge Götter mich ins Leben sandten.

Die Eule sang mir grause Wiegenlieder
Und schrie mir durch die stille Ruh
Ein gräßliches: Willkommen! zu.
Der bleiche Gram und Jammer sanken nieder
Und grüßten mich als längst gekannte Brüder.

Da sprach der Gram in banger Geisterstunde:
Du bist zu Qualen eingeweiht,
Ein Ziel des Schicksals Grausamkeit,
Die Bogen sind gespannt, und jede Stunde
Schlägt grausam dir stets neue blutge Wunde.

Dich werden alle Menschenfreuden fliehen,
Dich spricht kein Wesen freundlich an,
Du gehst die wüste Felsenbahn,
Wo Klippen drohn, wo keine Blumen blühen,
Der Sonne Strahlen heiß und heißer glühen.

Die Liebe, die der Schöpfung All durchklingt,
Der Schirm in Jammer und Leiden,
Die Blüte aller Menschenfreuden,
Die unser Herz zum höchsten Himmel schwingt,
Wo Durst aus selgem Born Erquicken trinkt,

Die Liebe sei dir auf ewig versagt.
Das Tor ist hinter dir geschlossen,
Auf der Verzweiflung wilden Rossen
Wirst du durchs öde Leben hingejagt,
Wo keine Freude dir zu folgen wagt.

Dann sinkst du in die ewge Nacht zurück,
Sieh tausend Elend‘ auf dich zielen,
Im Schmerz dein Dasein nur zu fühlen!
Ja, erst im ausgelöschten Todesblick
Begrüßt voll Mitleid dich das erste Glück.