Anmerkung der Redaktion: dies ist das elfte Ergebnis zu dieser Aufgabe, Autor ist natürlich Wilhelm Müller selbst, der hier interviewt wird. Viel Vergnügen bei der Lektüre und danke an Herrn Müller! Noch ein Hinweis: selbstverständlich hat dieses Interview mit der „echten“ Zeitschrift „Bunte“ nichts zu tun!

mullerDieses einmalige Interview entstand am 1. Juli 1824 während eines Musikfestes zur „Säcularfeier“ Kloppstocks in Quedlinburg.

Blaublümchen: Grüß Gott Herr Müller. Im Namen meiner Leserinnen bedanke ich mich ganz herzlich bei Ihnen, dass Sie trotz Ihres vollen Terminkalenders Zeit genommen haben, um uns ein paar Fragen zu beantworten.

Wilhelm Müller: Ach, nicht der Rede Wert! Schießen sie los! Her mit den Fragen!

Blaublümchen: Fangen wir doch mal ganz von vorne an. Erzählen Sie etwas von Ihrer Kindheit!

Wilhelm Müller: Also geboren bin ich am 7. Oktober 1794 in Dessau (grinst: Mein Geburtsort ist ja ein richtiger Wallfahrtsort geworden.) Mein Vater ist Christian Leopold Müller, Schneider und meine geliebte Mutter Marie Leopoldine, geborene Cellarius, Hausfrau. Ich bin Einzelkind, da all meine sechs Geschwister schon ziemlich früh von der Welt geschieden sind. Mit 14 Jahren verlor ich auch meine Mutter. Mein Vater, der durch längere Krankheit immer wieder in Finanznot steckte, heiratete schon kurz darauf meine reiche Stiefmutter Marie Seelmann.

Blaublümchen: Wo und was haben Sie auf der Uni studiert?

Wilhelm Müller: Nach dem Schulbesuch in Dessau widmete ich mich 1812 dem Studium der Philosophie und Historik in Berlin.

Blaublümchen: Sie sollen angeblich eine „kriegerische“ Seite haben. Wie können wir das verstehen?

Wilhelm Müller: Jawohl! Im Februar 1813 trat ich als Freiwilliger der preußischen Armee bei und nahm an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil und wurde 1814 zum Leutnant ernannt. Ich hatte schon immer einen ausgesprochenen Freiheitsdrang, welcher sich auch in den meisten meiner Werke wiederfinden lässt.

Blaublümchen: Ist das auch der Grund warum Sie sich für den Unabhängigkeitskrieg der Griechen gegen die türkische Besatzung einsetzten?

Wilhelm Müller: Klaro, schließlich kennt man mich auch als den „Griechen-Müller“ und das obwohl ich noch gar nicht in Griechenland war. Na ja, trotzdem Pech für die Griechen, der Döner schmeckt besser als der Gyros!! hihi

Blaublümchen (lacht): Was haben Sie anschließend gemacht?

Wilhelm Müller: Nun ja, ab 1816 besuchte ich Literatur- und Künstlerkreise in Berlin und lernte dort meine Epochen-Kollegen Gustav Schwab, Achim von Arnim, Clemens Brentano und Ludwig Tieck kennen. 1817/1818 unternahm ich eine Bildungsreise nach Italien. Im darauffolgenden Jahr ging ich als Gymnasiallehrer für Latein und Griechisch nach Dessau. Bald darauf wurde ich vom regierenden Herzog zum Bibliothekar der Hofbibliothek, 1824 zum Hofrat ernannt.

Blaublümchen: Es wird gemunkelt sie seien unglücklich in die Dichterin Luise Hensel verliebt gewesen? Wie viel Wahrheit steckt dahinter?

Wilhelm Müller: Das auch Journalisten immer wieder alte Wunden aufdecken müssen! Mein Management hat dies bezüglich eine Presseerklärung abgegeben. Sie finden sie auch auf meinem Web-Blog!

Blaublümchen: Jetzt sein Sie doch nicht so grantig! Liebe ist doch romantisch und unerfüllte Liebe umso mehr! Genau das ist es doch, womit Sie sich beschäftigen.

Wilhelm Müller: Ja ok, Sie haben ja Recht!….(lächelt). Diese doch schmerzhafte Erfahrung war auch eine Inspiration für meine kommenden Werke. Diese unerfüllte Liebe hat ihren Niederschlag in den beiden von Franz Schubert vertonten Liederzyklen „Die schöne Müllerin“ und die „Winterreise“ gefunden.

Blaublümchen: Sie sind einer der wenigen Star-Romantiker, die ihr Privatleben von dem Blitzlichtgewitter abschirmen. Würden Sie unseren Leserinnen trotzdem verraten, ob Sie noch zu haben sind?

Wilhelm Müller: (grinst) Ich bin schon lang nicht mehr Single. Den Bund der Ehe bin ich am 21. Mai 1821 eingegangen, indem ich Adelheid Basedow ehelichte. Daraus sind zwei wundervolle Früchte entsprungen: die am 20. April 1822 geborene Auguste und der am 6. Dezember 1823 geborenen Friedrich Max.

Blaublümchen: Womit sind Sie gerade beschäftigt?

Wilhelm Müller: Zurzeit bin ich als Redakteur und Herausgeber tätig, unter anderem für die „Bibliothek deutscher Dichter des siebzehnten Jahrhunderts“. Des Weiteren arbeite ich für verschiedene literarische Zeitschriften, darunter das „Literarische Conversationsblatt“ und „Hermes“.

Blaublümchen: Vielen Dank für das Interview Herr Müller.

Wilhelm Müller: Ach, immer doch. Bleiben sie alle der Romantik treu. Es ist eine der interessantesten Literaturepochen überhaupt (…nein, eigentlich die Interessanteste…..)

 

Anmerkung der Redaktion: Dieses exklusive Online-Interview wurde zum Andenken an den 181. Todestag von Wilhelm Müller in der Bunte vom 1. Oktober 2008 veröffentlicht. Herr Müller verließ die Welt im Alter von nur 33 Jahren aufgrund eines Herzinfarktes. Näheres zur Biographie und Bibliographie von Wilhelm Müller erfahren sie in der kommenden Ausgabe der Bunte. Nichts wie hin zum nächstgelegenen Kiosk!!!!

 

Quellen: Wikipedia, Gutenberg