Eine sechste Gruppe suchte sich die Aufgabe aus, für das lyrische Ich aus Ludwig Tiecks Gedicht „Melancholie“ eine Todesanzeige und/oder eine Grabinschrift und/oder einen Nachruf zu verfassen. Die aus Achim von Arnim, Joseph von Eichendorff, Novalis und Friedrich de la Motte Fouqué bestehende Gruppe entschied sich für eine Todesanzeige:

Lyrisches Ich

von Melancholie zu tiefer Depression

*Ende des 18. Jahrhunderts

† mit Beginn des Realismus

Auf der Suche nach Erfüllung begegnete er dem Tod und ließ sich, überwältigt von dessen Charme, dazu verführen sich kopfüber von der Klippe ins Glück zu stürzen.

In tiefster Trauer gedenken Dir deine Brüder

Gram & Jammer

Anmerkung von Frau Presser: leider hat mich die eigene Gestaltung der Gruppe (von Achim von Arnim) immer noch nicht erreicht. Eine schöner gestaltete Todesanzeige werde ich dann gerne hier einstellen. Am besten erklären die Gruppenmitglieder ihre Todesanzeige in den Kommentaren den Lesern!?

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Eine fünfte Gruppe, mehrere daraus mit Kunst-LK, übernahm die Aufgabe, Ludwig Tiecks Gedicht „Melancholie“ in Bilder umzusetzen. Zur Gruppe gehörten E.T.A. Hoffmann, Sophie Mereau, Wilhelm Müller und August Wilhelm Schlegel. Herausgekommen ist eine beeindruckende Powerpoint-Präsentation, die man sich zur Lesung des Textes ansehen und hier downloaden kann:

Download der Powerpoint-Präsentation

Eine vierte Gruppe suchte sich die Aufgabe aus, Fernsehnachrichten zu Ludwig Tiecks Gedicht „Melancholie“ zu gestalten und berichtete über den Selbstmord des lyrischen Ichs. Zur Gruppe gehörten die Gebrüder Grimm und Wilhelm Hauff, beide tragen ihre Nachrichten vor:

N: Heute verstarb Thomas Leid, er brachte sich selbst um. Über die Motive und Gründe für diese schreckliche Tat, sprechen wir mit seinem Therapeuten.
Wie sah Thomas denn sein Leben?

T: Er meinte, er wurde von zornigen Göttern ins Leben gerufen, damit sie sich an seinen Leiden erfreuen.

N: Wie kam er denn darauf? Waren seine Leiden wirklich so schlimm?

T: Nach seiner Geburt wurde er ausgesetzt und musste  in einem Waisenheim bei Mönchen leben, die berüchtigt für ihre Alkoholprobleme waren. Zudem fand er keine Freunde und arbeitete schließlich an einer monotonen Arbeit am Laufband. Es ist kein Wunder, dass er sich vernachlässigt von der Welt fühlt und denkt, dass er niemals Freude empfinden werde.

N: Und der Tod war für ihn der einzige Ausweg?

T: Er stellt sich vor, er wird nach seinem Tod die Gefühle  fühlen, die in seinem Leben ihm versagt worden waren

N: OK Danke für diese Einschätzungen. Auf Wiedersehen.

Download der Fernsehnachrichten

Eine dritte Gruppe übernahm die Aufgabe sich auszudenken, wie das Leben des lyrischen Ichs nach Ludwigs Tiecks Gedicht „Melancholie“ wohl weitergeht. Zur Gruppe gehörten Adelbert von Chamisso, Dorothea Schlegel und Friedrich Schlegel, die sich für ein „Happy End“ entschieden haben. Aber lest und hört selbst, was Adelbert von Chamisso hier vorträgt:

….Doch eines finsteren Abends spazierte ich durch die kalten, engen Gassen. Ich fühlte, wie mich die Dunkelheit verschlang. Niemals war die Sehnsucht nach Erlösung so stark wie in jenem Augenblick meines trostlosen Daseins.

Umgeben von der stillen Ruh´ erfasste mich ein noch nie empfundenes Gefühl. Was mag es sein? Wo kommt es her? Von weiten sah ich ein Licht erstrahlen und das Antlitz eines zauberhaften Wesens trat mir entgegen. Geblendet von ihrer Schönheit, schimmerte plötzlich Hoffnung von weitem in mein Elende. Je mehr ich mich näherte umso wärmer wurde es in meinem Innersten. Aus ewiger Finsternis wurde Glück. Der Fluss der Einsamkeit reißt die Trauer und das Leid meiner Seele hinweg.

Mein wonniges Herz spürt die Unendlichkeit der Liebe. Diese Vertrautheit habe ich noch nie zuvor gespürt….

Download der Lesung

Eine zweite Gruppe hatte die Aufgabe, zu Ludwig Tiecks Gedicht „Melancholie“ einen Tagebucheintrag des lyrischen Ichs zu gestalten. Die Gruppe bestand aus Karoline von Günderrode und Ludwig Uhland. Hier folgt der Text und die Lesung durch Ludwig Uhland:

22.Dezember 1846

Seit langem schon schwebt ein schwarzer Schleier über mir. Er zerrt mich langsam in die Tiefe um mich ganz zu verschlingen. Nun ziehen die Schatten meiner Vergangenheit an mir vorüber. Als natürlicher Sohn ward ich durch die feurige Liebe meiner Mutter geboren. Diese Liebe besiegelte mein Schicksal durch die Götter.

Schon als Kind blieb mir die „Freundschaft“ verwehrt. Die Kinder duldeten zwar meine Anwesenheit, aber dennoch durchdrangen mich verächtliche Blicke. Diese Schmach und der Schmerz war wie eine qualvolle Kälte, die mein Herz umklammerte. Auch die große Liebe meiner Mutter zu mir bot weder Halt noch Schutz vor den verletzenden Worten der anderen.

Immer wieder fanden die Menschen in meiner Nähe Worte und Taten, um noch mehr Salz in meine Wunden zu streuen. Zu dieser Zeit wünschte ich, ich wäre ein Geist und man würde mich einfach nur ignorieren.

Erst durch die Liebe fand ich wieder Hoffnung. Lange zehrte ich von ihr und versuchte so mein Leben wenigstens mit ein wenig Glück zu füllen. Ich erkannte jedoch bald, dass mir auch die Liebe und deren schöne Seiten versperrt waren. Das Mädchen, welches ich liebte gab sich ohne mich eines Blickes zu würdigen denen hin, welche mich am meisten verachteten.

Seit jenem Tag habe ich keine Freude, sondern einzig und allein Verzweiflung empfunden. Selbst der schönste Anblick wandelte sich in ein Schauspiel des Schreckens und der Furcht. All das Glück der anderen bohrte sich wie Messerstiche in mein Herz.

Die Einsamkeit zog mich in ihren dunklen Bann. Und nun wo der schwarze Schleier sanft über meinen Körper streicht, spüre ich das erste mal was es heißt glücklich zu sein.

Wie die Schneeflocken draußen vor meinem Fenster so legt sich auch der Hauch des Todes langsam über mich.

Doch eins werde ich wohl nie verstehen:

Wenn jemand erschossen wird, macht es einen lauten Knall.

Wenn ein Blitz in einem Baum einschlägt, kracht es.

Wenn eine Lawine abgeht, dann donnert es bis tief ins Tal.

Doch wenn ein Herz bricht, das wichtigste vom Menschen, dann hört man keinen Ton.

Es ist stumm….

Download der Lesung

Eine Gruppe hat eine Lesung mit verteilten Rollen zu Tiecks Gedicht Melancholie vorbereitet. Zur Gruppe gehörten Bettina von Arnim, Clemens Brentano, Ludwig Tieck selbst und Wilhelm Heinrich Wackenroder. Das Ergebnis hört sich so an: 

Download der Lesung

Nach der Bearbeitung der Motive der Romantik (die ja von den eigenen Assoziationen schon beträchtlich abwichen), haben wir uns gleich mal auf diese überraschende „dunkle Seite“ der Romantik gestürzt. Zu Ludwig Tiecks Gedicht „Melancholie“ haben wir am 23.01.09 eine etwas ausführlichere kreative Umsetzung in 6 Gruppen gemacht. Es gab dann am 28.01.09 eine Präsentation mit szenischer Lesung, einer Umsetzung in Bilder, einer Erzählung, wie das Leben des lyrischen Ichs weitergeht, einem Tagebucheintrag des lyrischen Ichs, Fernsehnachrichten zum Selbstmord des lyrischen Ichs und einer Todesanzeige. Weitere Informationen zur Melancholie finden Sie bei wikipedia. Hier aber erstmal das Gedicht, anbei die berühmte Darstellung der Melancholie von Albrecht Dürer:

 

Melancholie

Schwarz war die Nacht und dunkle Sterne branntenduerer
Durch Wolkenschleier matt und bleich,
Die Flur durchstrich das Geisterreich,
Als feindlich sich die Parzen abwärts wandten
Und zornge Götter mich ins Leben sandten.

Die Eule sang mir grause Wiegenlieder
Und schrie mir durch die stille Ruh
Ein gräßliches: Willkommen! zu.
Der bleiche Gram und Jammer sanken nieder
Und grüßten mich als längst gekannte Brüder.

Da sprach der Gram in banger Geisterstunde:
Du bist zu Qualen eingeweiht,
Ein Ziel des Schicksals Grausamkeit,
Die Bogen sind gespannt, und jede Stunde
Schlägt grausam dir stets neue blutge Wunde.

Dich werden alle Menschenfreuden fliehen,
Dich spricht kein Wesen freundlich an,
Du gehst die wüste Felsenbahn,
Wo Klippen drohn, wo keine Blumen blühen,
Der Sonne Strahlen heiß und heißer glühen.

Die Liebe, die der Schöpfung All durchklingt,
Der Schirm in Jammer und Leiden,
Die Blüte aller Menschenfreuden,
Die unser Herz zum höchsten Himmel schwingt,
Wo Durst aus selgem Born Erquicken trinkt,

Die Liebe sei dir auf ewig versagt.
Das Tor ist hinter dir geschlossen,
Auf der Verzweiflung wilden Rossen
Wirst du durchs öde Leben hingejagt,
Wo keine Freude dir zu folgen wagt.

Dann sinkst du in die ewge Nacht zurück,
Sieh tausend Elend‘ auf dich zielen,
Im Schmerz dein Dasein nur zu fühlen!
Ja, erst im ausgelöschten Todesblick
Begrüßt voll Mitleid dich das erste Glück.